HERBSTZEITLOS Gedichte Karin Kinast . Softcove, 100 Seiten ISBN: 978-3-937439-12-9
Im Titel „herbstzeitlos“ drückt die Autorin ihre Akzeptanz der Ambivalenz alles Seienden aus und vereint die beiden Leitthemen, Vergänglichkeit & Beständigkeit, im Ritual der Wiederholung. So ist der Lauf der Zeit bestimmt von Veränderung und Wechsel, der Lauf der Dinge nicht mehr und nicht weniger als ein Ineinanderfließen von Zuständen, von Zeit und Raum. Die natürlichen Kreisläufe – Jahreskreise und Lebenskreise – ergeben sich aus eben diesem Wechselspiel und sind Grundgesetz des Daseins. In der Wiederkehr liegt die Erkenntnis. In der noch unbedarften Sichtweise eines Kindes ist es das pure Staunen beim „Ertappen der Zeit“ im Augenblick der Betrachtung. Die Autorin akzeptiert diese Wechsel im Vertrauen auf ein allumfassendes, göttliches Gefüge. Sie thematisiert die Brüchigkeit der Welt, findet sich jedoch nicht ab mit den Verbrechen begangen von Menschenhand. „herbstzeitlos“ widmet die Autorin ihrem Sohn Manuel Amarin, der sie gelehrt hat und immerzu herausfordert, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Unvoreingenommen, vorbehaltlos, mit den Augen der Liebe.
Rezension
Der Titel hat mich direkt angesprochen, genau wie das verwischte Titelbild. Der Inhalt hält meinen Erwartungen stand: Herbstzeitlos versammelt stilvoll-schlichte Gedichte, lange und kurze, brillante und schlichte. Die Autorin gibt in ihnen ausschnittweise Facetten ihres Lebens preis: Erkenntnisse, Einflüsse, Eindrücke und Erlebtes. Das ist manchmal sehr bildreich, manchmal auch wunderbar verschlungen und spielerisch, aber immer poetisch.
Diese Lyrik einget sich wunderbar zum Träumen, zum Abschalten und Weiterspinnen. Manches (nicht alles) eignet sich sogar für einen gerahmten Platz an der Wand. Immer wiederkehrende Motive sind dabei die Natur in ihrer Wechselhaftigkeit und die Erinnerungen des eigenen Lebens. Die sinnlichen Erfahrungen an der frischen Luft bieten den Rahmen für die Reflexionen. Das sympathische an Karin Kinast ist, so viel lässt sich bei der Lektüre feststellen, dass sie ein Mensch ist wie du und ich. Allerdings einer, dessen Gedichte es wirklich verdient haben, gelesen und reflektiert zu werden. Warme Empfehlung für alle Lyrik-Leser!
Kalinka, erschienen in "Der Siebenstein" Ausgabe 6/2008
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