Ein Jugendroman von Andrea Tillmanns, empfohlen ab 8 Jahren.Die Ausgangssituation erinnert etwas an „Die unendliche Geschichte“: gehänselter Junge (hier wegen Neurodermitis), Halbwaise, gerät an ein geheimnisvolles Buch und schließlich in eine Fantasywelt, wo er verschiedene Abenteuer besteht, die ihn nach seiner Rückkehr befähigen, sein Leben positiv umzugestalten. So weit, so bekannt. Erik wünscht sich nichts mehr, als seine Hautkrankheit loszuwerden, doch die Hänseleien und der Streß in der neuen Klasse machen es natürlich nicht besser. In einem Buch seiner Großmutter liest er eine Geschichte, in der eine „Quelle der Heilung“ vorkommt und wünscht sich so sehr dorthin, daß er eines Nachts tatsächlich dort landet. Ein toller Traum! Tatsächlich wird er durch die Quelle geheilt, doch schnell stellt er fest, daß die Sache einen Haken hat: wie soll er wieder zurück kommen? Es hätte die Geschichte vielleicht doch lieber zu Ende lesen sollen... Und obwohl er seinen Schlafanzug anhat, gelingt es ihm einfach nicht, wieder aufzuwachen. Erik macht sich daran, einen Weg zurück in seine Welt finden. Er trifft seltsame Wesen, von denen ihm nicht alle freundlich gesonnen sind, er gewinnt Freunde, die ihm helfen und wird sogar ungewollt zum Rebell gegen einen finsteren Herrscher. Und schließlich trifft er einen Drachen, eines jener Tiere, die selbst in seiner „Traumwelt“ als bloße Fabelwesen gelten.
Auch andere Elemente in diesem Roman sind altbekannt, trotzdem finde ich das Buch für Kinder gut geeignet. Warum? Nun, zum einen sind gerade jüngere Kinder erstaunlich konservativ, unter einer Elfe oder einem Drachen können sie sich bereits etwas vorstellen, zu viel Exotisches überfordert sie zuweilen. Dennoch gibt es in diesem Roman natürlich auch Neues zu entdecken, einen sprechenden Ameisenbären etwa oder eine ungeahnte Kunstform.Die Sprache ist relativ einfach gehalten, biedert sich aber dennoch nicht bemüht an das jugendliche Publikum an. An eine Prise Humor wurde ebenfalls gedacht, so daß manchmal auch geschmunzelt werden darf. Und das Lachen hat in dieser Geschichte ohnehin noch eine viel tiefere Bedeutung...
Besondere Sorgfalt legt die Autorin auf die Charakterisierung ihres Helden. Sehr genau werden seine Gedankengänge nachvollzogen, seine Gefühle beschrieben und seine Reaktionen begründet. Vielleicht ist das für Erwachsene manchmal etwas zu viel, aber Kindern erleichtert es sehr, sich in die Figur einzufühlen und das Geschehen mit ihr gemeinsam zu erleben. Gerade bei ungeübten Lesern hilft das, sie bei der Stange zu halten. Insbesondere die Szenen in der realen Welt sind so geschildert, daß man problemlos mit Erik „mitfühlt“.
Für ungeübte oder ungeduldige Leser ist es auch praktisch, daß das Buch mit etwas über 150 Seiten überschaubar ist – so toll „Die unendliche Geschichte“ sein mag: Leseanfänger fühlen sich von so einem Wälzer oft zu Recht überfordert.
Sabine Lang