Morgenstern und Abendroth

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Art.Nr.: 978-3-86963-616-0

Beschreibung

Morgenstern und Abendroth

Norbert Martin

Klappenbroschur, 128 Seiten
ISBN 978-3-86963-616-0

Eine grandiose Geschichte wie „Niemand“, ein namenloser Angestellter, der durch das Auftauchen eines kleinen Stoßes bildhaft beschriebener Blätter angetrieben wird, selbst schriftstellerisch tätig zu werden. Und wie er, nach eigenen eher ergebnislosen Recherchen, bei dem Versuch selbst schreibend die Blätter in eine sinnvolle Form zu bringen, letztlich als Autor scheitern muss. Kleinlaut aber einsichtig zieht er sich zurück und überlässt die Vollendung professionellen Händen.

Pressestimmen

 Fürther Nachrichten vom 14.04.2020, S. 22

Im Zwiegespräch mit einem Fisch im Glas

Spiegelfechterei und Satire: Norbert Martin liefert mit dem Band
„Morgenstern und Abendroth“ LESEVERNÜGEN für Fortgeschrittene.

FÜRTH. Stellen wir uns vor: Eine Person betrachtet auf ihrer offenen Handfläche eine Figur, die in derselben Pose dasteht und in ihrer Hand eine winzige Statuette betrachtet. Nun gehen wir gedanklich ein paar Meter zurück, und wir sehen: Unsere Person steht ihrerseits auf der Hand einer großen Statue. Diese steht wiederum auf der Hand einer Kolossalstatue. Und die könnte wiederum...

Nach diesem Prinzip hat der Autor Norbert Martin sein als „Manuskriptfund“ ausgewiesenes Büchlein namens „Morgenstern und Abendroth“ gestaltet. Den Kern des Werkes bilden drei Mappen mit Gedichten und Prosaskizzen eines gewissen Wolf C. Bra über seine literarische Figur Dietrich Abendroth. Es sind Gedichte im lapidar-zynischen Stil eines Wilhelm Busch. Herr Abendroth, der offenbar das Selbstportrait Wolf C. Bras darstellt, erweist sich als ein introvertierter Beobachter, der Zwiesprache mit einem Fisch im Glase hält, mit seinen Kumpeln in der Kneipe lieber schweigt als diskutiert, aber doch über ein reiches Seelenleben verfügt.

Dieses offenbart sich in der zweiten Mappe mit Gedichten, die angeblich von Abendroth stammen, aber im dadaistischen Geiste Christian Morgensterns verfasst sind. Da tauschen die Vokale munter ihre Plätze („Hand und Kutz“) und tummeln sich Sprachungetüme wie Zeptra und Gnux, die Afalexe und vor allem das Urgurfem. Eine dritte Mappe mit Prosaskizzen, die Abendroths biografische Hintergründe eher andeuten als beschreiben, bildet den Abschluss.

Nun kommt die Mystifikation hinzu. Wolf C. Bra ist 1989 spurlos aus seiner Ostberliner Wohnung verschwunden. Sein Nachmieter, ein Anonymus, dem der Name „Niemand“ verliehen wird, hatte dieses Konvolut angeblich in Bras Kellerabteil gefunden. Beim Durchlesen waren ihm die Blätter durcheinander geraten, sodass eine Rekonstruktion der Chronologie unmöglich wird. Da diese Lyrik Niemands Neugier herausfordert, kommentiert er jedes einzelne Gedicht, wobei weniger eine Exegese stattfindet. Wir erfahren in diesen Spekulationen vielmehr über Niemand als über Wolf C. Bra, über das Leben in der ostdeutschen Diktatur, über die innere Emigration in die Literatur. Beides zusammen, Gedichte wie Kommentare, sind auf Norbert Martins Schreibtisch gelandet, der seinerseits Kommentare abgibt und die Interpretationen zurechtzurücken sucht. Dies alles wiederum wird mit einem wortreichen Vorwort, Epilog und Klappentext umrahmt.

Perfekte Persiflage

Was diese Spiegelfechterei soll? Nun, zunächst einmal hat der Leser sein Vergnügen an den Gedichten des Wolf C. Bra, der den Geistern Wilhelm Buschs und Christian Morgensterns huldigt. Der Autorenname ist ganz offensichtlich ein Pseudonym: Wolf Zebra passt gut zu Christian Morgenstern.

Liest man die Kommentare des Anonymus und seines kühleren Redakteurs Martin, so könnte man das Ganze sowohl für eine Huldigung auf die romantische Technik E.T.A. Hoffmanns und seiner „Lebensansichten des Katers Murr“ halten, als auch für eine Satire auf germanistische Texterschließung. Und der Kommentar des Verlegers zu diesem literarischen Glücksfund liest sich wie die perfekte Persiflage auf die eloquenten Lobhudeleien, die in der gehobenen Literaturbranche gang und gäbe sind und den skeptischen Leser mit intellektuellen Appetithäppchen zum Kauf überreden sollen.

So gesehen, liefert der Autor Norbert Martin (falls dies nicht auch ein Pseudonym ist) ein Gedichtbändchen mit Gebrauchsanweisung, verstiegenen Interpretationen und deren Überhöhung, plus die Satire auf dies alles obendrein. Ein Lesevergnügen für Fortgeschrittene. REINHARD KALB

*****

Nürnberger Nachrichten vom 07.12.2019, S. 39

Wolf C. Bra und wie er die Welt sah

Gedanken über das SCHREIBEN: Das amüsante Buch „Morgenstern und Abendroth“. von bernd zachow

Dem kollegialen Zusammenwirken mehrerer namhafter Aktivisten der Nürnberger Literaturszene verdanken wir ein jüngst erschienenes sehr unterhaltsames Büchlein über das Schreiben als Beruf und Berufung.

Die von „Norbert Martin“ (ein Pseudonym) herausgegebene und von F. Dinavier (DIN-A4) illustrierte Neuerscheinung umfasst Gereimtes und Ungereimtes aus der Feder eines fiktiven „Kunsttextlers“ namens Wolf C. Bra.

Dessen angeblich in den frühen 1990er Jahren zufällig in einem Berliner Keller gefundenen Werke wurden vom besagten Herausgeber und (um das Maß der wahren Urheberschaft weiter zu verschleiern) von einem gewissen Herrn Niemand mit Anmerkungen und Kommentaren versehen.

Sprache, so wird bei der Lektüre rasch klar, mag zwar ursprünglich ein Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation gewesen sein, aber Literatur ist letztlich stets eine eher einseitige Form des Verkündens. Der Dichter wendet sich an „die Menschheit“, der einzeelne Mensch nebenan (und dessen Meinung) interessiert ihn weniger.

Das wird im vorliegenden Buch an der Figur des Dichters „Abendroth“ erklärt. Der ist nicht nur ein Geistesverwandter des Christian Morgenstern, sondern auch das Alter Ego des erfundenen Wolf C. Bra. Dieser Abendroth also, der für alle gedankenreichen Literaten steht, hat sich konsequenterweise einen Fisch als Haustier zugelegt; „Denn der ist still.“

Die Grenzen der Sprache

Die Dichter, die Schriftsteller haben eine ganz konkrete Botschaft von allumfassender Bedeutung. Aber gerade weil sie so viel Grundsätzliches und über das Alltägliche oft weit Hinausgehendes zu sagen haben, geraten sie rasch an die Grenze dessen, was mit den herkömmlichen Mitteln der Sprache sag- und damit beschreibbar ist.

Gefährlich ist es in solchen Fällen zweifellos, die vorhandenen Möglichkeiten der Sprache allzu eigenmächtig erweitern zu wollen. Um die Gefahr, dass dann das Schreiben unversehens ins neodadaistische Geplapper abrutscht, und um das letztlich wohl immer schwierig bleibende Zusammenspiel von beabsichtigtem Sinn und zur Verfügung stehender Form beim ambitionierten Schreiben geht es daher in den im vorliegenden Buch enthaltenen Prosa-Skizzen.

Auf witzige Art und Weise wird da zum Beispiel der Bericht über die literarisch eigentlich wenig ergiebige nächtliche Routine eines Taxifahrers zum übersinnlichen Erlebnis literarisiert, vergeistigt und vergeheimnist. Dichter sind Seher! Das hellsichtige Dichtertalent will eben vor allem dafür sorgen, dass die tiefere Bedeutung hinter dem für jedermann Offensichtlichen erkennbar wird.

Das Bedürfnis sprachkünstlerisch zu philosophieren, also über Vorgänge und Zusammenhänge zu schreiben, die sinnlich weitgehend nicht zu erfassen sind, wird mehr oder minder selbstironisch vorgeführt. Konkret ist das die mit „kulturkritischen“ Interpretationen angereicherte Schilderung einer Performance, die ohne jene sprachliche Aufwertung allenfalls absurd wäre. Wer unterscheidet Wortrauch und Kunstfeuer?

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