Vaters Masken

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Art.Nr.: 978-3-937439-88-4

Beschreibung

Vaters Masken
Arn Strohmeyer

Softcover, 140 Seiten
ISBN: 978-3-937439-88-4

Ein Sohn rekonstruiert das Leben seines Vaters: Erziehung im kaiserlichen Kadettenkorps, steile Karriere als Journalist und Autor in der Weimarer Republik und im Dritten Reich sowie als anerkannter Blut- und Bodenschriftsteller. Dann Kriegsberichterstatter an fast allen Fronten. Hitler ruft den Vater auf den Obersalzberg, er soll dort ein Buch ĂĽber sein Alpenidyll schreiben.
Nach 1945 folgte der Absturz: Lange Haftjahre in DDR-Zuchthäusern, Heimkehr nach Westdeutschland in eine ihm fremde Wirtschaftswunderwelt und starres Festhalten am NS-Weltbild. Es folgten erbitterte Konflikte mit dem heranwachsenden Sohn und der frühe, unvorhergesehene einsame Tod des Vaters. Der Sohn geht zu den 68ern, um sich von diesem schweren Erbe zu befreien. Aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht ...

Dieses autobiographische Buch schildert eine tragische Vater-Sohn-Beziehung, die aber nicht nur familiären Charakter hat, sondern zugleich ein Stück deutscher Zeitgeschichte ausdrückt. Der Vater Curt Strohmeyer war im Dritten Reich ein prominenter Journalist – zuletzt an Joseph Goebbels Wochenzeitung "Das Reich". Zugleich schrieb er zahlreiche Blut- und Bodenromane, die große Auflagen erzielten. Als Berichterstatter in Hitlers Krieg verfasste er – besonders über Polen und Russen – im vorgeschriebenen Stil der NS-Propaganda Texte von abgründiger Unmenschlichkeit. Hitler selbst rief ihn dann zum Jahreswechsel 1943/44 auf den Obersalzberg, er sollte ein Buch über das Alpenidyll des Führers schreiben. Der Text erschien aber nicht mehr, der Vater hinterließ aber ein Tagebuch über seine Zeit dort.
1949 wurde der Vater in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) verhaftet und wegen seiner NS-Aktivitäten von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Er saß sieben Jahre dieser Strafe in den berüchtigten Lagern Bautzen und Torgau ab. Dann kehrte er nach einer Amnestie _ gesundheitlich und seelisch schwer angeschlagen – zu seiner Familie nach Westdeutschland zurück. Er kann hier keinen Anschluss mehr an die bundesdeutsche Wirklichkeit finden. Vor allem das Verhältnis zu seinem Sohn zerbricht an dem gegenseitigen Nicht-Verstehen, denn der Vater hat seine Weltanschauung nicht geändert und will auch ihn mit ihr belasten. Der Vater stirbt vereinsamt 1960. Der Sohn muss sich lange mit diesem schweren Erbe auseinandersetzen. Er meint, die innere Lösung vom Vater durch Teilnehme an der Revolte von 1968 zu schaffen, als die jungen Rebellen den Vätern die NS-Masken vom Gesicht rissen. Aber dieser Weg war für ihn nicht erfolgreich, er musste eine andere Lösung für sich finden...
Umschlagsgestaltung: Peter Foeller, Berlin

Arn Strohmeyer (Journalist und Autor), geb. 1942 in Berlin, Abitur 1963 in Göttingen, Studium der Philosophie, Soziologie und Slawistik; Magisterexamen 1972 in Bonn; Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und einer politischen Monatszeitschrift, heute Ressortleiter Politik bei den Bremer Nachrichten.
Mehrere Buchveröffentlichungen zum Thema völkisches Denken und Nationalsozialismus: "Roter Fels und brauner Mythos – eine deutsche Reise nach Atlantis" (1990);
"Der gebaute Mythos. Das Haus Atlantis in der Bremer Böttcherstraße. Ein deutsches Missverständnis" (1993);
"Der Mitläufer. Manfred Hausmann und der Nationalsozialismus" (1998);
er ist Mitverfasser des Buches "Landschaft, Licht und niederdeutscher Mythos. Die Worpsweder Kunst und der Nationalsozialismus" (2000).
Zum selben Themenbereich schrieb er: "Parsifal in Bremen. Richard Wagner, Ludwig Roselius und die Bremer Böttcherstraße" (2002).
In den Streit, ob der Mythos von Atlantis einen historischen Hintergrund hat, mischte er sich mit dem Buch "Troja ist nicht Atlantis. Ăśber den Umgang mit einem Mythos" (1997) ein.
Den Zusammenhang von völkisch-rassistischer Ideologie und Esoterik und Okkultismus behandelt er in dem Buch "Von Hyperborea nach Auschwitz. Wege eines antiken Mythos" (2005).
Ăśber Griechenland und die Insel Kreta, die er 1967 zum ersten Mal und dann immer wieder bereist hat, schrieb er die BĂĽcher: "Reise nach Matala" (1994),
"Ich hatte einen Traum. Texte und Fotos aus Matala und SĂĽdkreta" (1994); "Wiedersehen mit Apoll. Griechische Reisen" (1998),
"Lentas – ein Dorf am Libyschen Meer" (2000),
"Der Dichter, die Insel und der Krieg. Erhart Kästner in Kreta 1943 –44" (2000),
und "Sorbas war ganz anders. Kretische Impressionen" (2004).

Rezension

Die Bürde der Söhne

Im September 1939, als die deutsche Wehrmacht sich in Hitlers erstem "Blitzkrieg" anschickte, Polen zu vernichten, saĂź im Cockpit eines Sturzkampfbombers auch Curt Strohmeyer - der Vater, dessen "Masken" sein Sohn Arn, Bremer Autor und Journalist, in einem jetzt erschienenen Buch beschrieben hat. Der Vater saĂź nicht als Bomberpilot im Flugzeug, sondern als Kriegsberichterstatter.

Strohmeyers Vater verstand sein Handwerk. Mit schwülstiger Wortgewalt schildert er das Vernichtungswerk jener "raubtierähnlichen" Flugzeuge, deren Aufgabe es war, nicht nur die polnische Armee, sondern auch die Städte, Krankenhäuser und Schulen, die Straßen und Eisenbahnen und damit jeden Widerstand zu "zerhacken". …

Arn Strohmeyer hat sich mit diesem Buch einer mühseligen und quälenden Aufgabe unterzogen. Der Vater, unbußfertig und reulos bis zum Schluss, ist nach schrecklichen Jahren in den Haftanstalten von Ulbrichts und Hilde Benjamins Sowjetzone in die Bundesrepublik und zu Adenauers Wirtschaftswunder zurückgekehrt. Er hat dort aber nicht mehr Fuß fassen können.

Sein inzwischen herangewachsener Sohn - Jahrgang 1942 - hat die lang ersehnte Rückkehr des Vaters als eine einzige Kette von Enttäuschungen erlebt und sich erst Jahre später aus der geistigen Umklammerung des Vaters befreien können. Dass es ihm am Ende doch gelingt, seinem Vater, dem schrecklich Verirrten, dem geistigen Mittäter an Krieg, Verbrechen und Herrenmenschentum, in verstehendem Mitleid zu begegnen, ohne ihn zu entschuldigen, spricht für die ethische Statur des Autors und macht sein Buch zu einer lesenswerten Lektion über die Last jener Nachgeborenen, denen es nie in den Sinn gekommen ist, sich auf eine "Gnade der späten Geburt" zu berufen.

Christoph U. Schminck-Gustavus, Bremen

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